Weltpremiere mit Sofia
"Bremer Session" eröffnet Jazz- Konzertreihe 2007 im Kaiserkeller - Lippische Landeszeitung vom 22.12.06
Detmold ( aga ). Zur "Bremer Session" präsentierte sich ein Quintett von Spitzenmusikern im Kaiserkeller. Das "Dirk Piezunka Quartett, featuring Oliver Groenewald" bescherte der Konzertreihe von "Jazz in Lippe" einen starken Auftakt ins Jahr 2007.

"Ich bin allerdings der einzige Bremer", begrüßte Saxophonvirtuose Dirk Piezunka die gut 70 Gäste. Mit dem Pianisten Elmar Brasse aus Hannover, dem Osnabrücker Bassisten Jens Heisterhagen, Schlagzeuger Christian Schoenefeldt aus Oldenburg und Trompeter Oliver Groenewald hatte er zu seiner Premiere in Detmold gleich vier Musiker mit auf die Bühne gebracht, die auch zuvor schon in der Residenzstadt von sich hören lassen hatten.

Im ersten Set entlockten die Fünf ihren Instrumenten hauptsächlich die Klänge zu selbst arrangierten Stücken in der Tradition des Modern Jazz. Auffällig dabei, dass die handschriftlichen Arrangements von Elmar Brasse überwiegend vor kaum zu bremsender Dynamik strotzten, während die Stücke aus der virtuellen Feder von Dirk Piezunka sehr stark auf die großen Gefühle setzten.
Bei "Sofias way to start the day" durften dann durchaus die Augen zu kurzzeitigem Träumen geschlossen werden. Mit dem Stück, das in Detmold seine "Weltpremiere" feierte, wollte Piezunka nach eigener Aussage seiner Freundin das Aufstehen am Morgen erleichtern. Dass die Klänge dem Zuhörer allerdings zunächst eher ein gemütliches Weiterverweilen im Bett schmackhaft machen dürften, quittiert der Bremer mit einem viel sagenden Lächeln. Nur der Überraschend atonale Schlussakkord ist geeignet, dann doch den Weg aus den Federn zu erleichtern. Während in den Arrangements von Piezunka an diesem Abend vor allem die gefühlvolle Trompete und das ebenso emotionale Saxophon in die Ohren und dann in die Herzen der Zuhörer spielen, geht es in den "Mystic Moments" von Brasse zum Auftakt sehr viel schwungvoller zu.

Noch rasanter der Abschluss des ersten Sets. Fast logisch, dass auch dieses noch namenlose Arrangement, bei dem alle fünf Solisten ihre Klasse erneut unter Beweis stellen konnten, sich aus den von Hand aufnotierten Noten des Hannoveraner Pianisten ergab. "Das Stück hat noch keinen Titel, wir nehmen gleich an der Theke Vorschläge entgegen", forderte Piezunka das Publikum humorvoll auf. Das ergibt Sinn, schließlich soll demnächst mit einer CD - Aufzeichnung gestartet werden. "Wir werden mal sehen, ob wir den Oliver für ein oder zwei Stücke noch kurzfristig überreden können", schmunzelte Piezunka. Das CD - Projekt sei allerdings zunächst ohne Trompete geplant.

"Session - Charakter": So formulierter Groenewald die Intention, mit der die fünf Musiker das zweite Set eröffneten, in dem vorwiegend Jazz - Standards zu hören waren. Dass sich niemand im Publikum dazu aufraffen konnte, sich selbst mit seinem Instrument einzubringen, mag als Zeugnis für die große Klasse des agierenden Quintetts gedeutet werden. Da mochte man einfach lieber zuhören.