Worldbrass - Posaunist Shawn Grocott
Weltblech reif für die Insel - Lippische Landeszeitung vom 15.10.2003
Der gebürtige Kanadier studierte zunächst an der University of Regina / Kanada, wo er sein Studium 1994 mit dem Bachelor of Music Education abschloss.

Seit 1995 lebt Shawn Grocott in Detmold. Er studierte bei Prof. Heinz Fadle an der Hochschule für Musik in Detmold, und bei Prof. Ehrhard Wetz an der Musikhochschule Lübeck, wo er im Oktober 2001 sein Studium mit der Künstlerischen Diplomprüfung abschloss.

Er ist Mitglied im Blechbläserensemble World Brass, im Oliver Groenewald Newnet, leitet ein eigenes Jazzquartett und ist als Posaunist in Solo - und Orchesterkonzerten tätig.

Darüber hinaus unterrichtet er u.a. an der Musikschule Löhne und ist Dozent bei der OWL Big Band.



Beim Schleswig Holstein Musikfestival 2003 feierten sie mit ihrem „Britischen Programm“ große Erfolge, jetzt präsentieren sie es auf Einladung der Philharmonischen Gesellschaft Ostwestfalen - Lippe und mit finanzieller Unterstützung der Sparkasse Detmold im Sommertheater : Die international besetzte Blechbläser - Gruppe „Worldbrass“ gibt am Samstag, 18. Oktober im neuen Detmolder Musentempel ihre Visitenkarte ab. Einer der Gründungsmitglieder des auch unter dem Namen „Weltblech“ bekannten Ensembles, der in Detmold lebende kanadische Posaunist Shawn Grocott, erläutert im Vorfeld des Auftritts die Besonderheiten des Programms.

? Henry Purcell mag Kennern der klassischen Musik ja als britischer Komponist der Barockzeit bekannt sein, aber was hat Duke Ellington mit Großbritannien zu tun ?
Grocott : Wir haben unser Programm so zusammengestellt, dass jedes Stück eine Verbindung zu Großbritannien hat. Neben Henry Purcell stammen auch Maxwell Geddes, Derek Bourgeois und Jim Parker von der britischen Insel. Duke Ellington und Charles Edward Ives dagegen sind Amerikaner. Ihre Kompositionen haben aber sehr wohl einen Bezug zu Großbritannien. Die „Variations on America“ von Ives etwa gehen auf das Volkslied „America“ zurück, das die gleiche Melodie hat wie die britische Nationalhymne. Und Duke Ellingtons Jazz - Titel „Such sweet thunder“ wurde von ihm für ein Shakespeare - Festival in Kanada komponiert.

? Ist ihr Konzertprogramm etwas für Spezialisten oder richtet es sich auch an ein weniger vorgebildetes Publikum ?
Grocott : Wir bieten im Detmolder Sommertheater, dessen Akustik ich sehr schätze, ein sehr gängiges und an Varianten reiches Programm mit Stilelementen aus den verschiedensten Epochen. Zum Auftakt erklingt die aus einer Oper stammende, sehr unterhaltsame Musik von Purcell. Es folgt ein modernes Tongedicht von Geddes, der uns mit interessanten musikalischen Effekten die Geschichte des berühmt - berüchtigten Alexander Stewart, dem Sohn von König Robert II. erzählt. Auf fünf Begebenheiten im Lebendes Königspaares „William und Mary“ beruht das gleichnamige Stück des zeitgenössischen Komponisten Derek Bourgeois. Nach der Pause starten wir mit den „Variations on America“, ein sehr gängiges, zuerst für Orgel und dann für Orchester komponiertes Stück, das speziell für uns Blechbläser arrangiert wurde. Diverse Jazz - Elemente erleben unsere Zuhörer in Duke Ellingtons „Such sweet thunder“, das von dem an der Detmolder Musikhochschule tätigen Oliver Groenewald speziell für unser Ensemble zugeschnitten wurde, und in Jim Parkers Komposition „A Londoner in New York“, die wir in Ausschnitten präsentieren.

? Wie entstehen solche Programme mit Musikern aus verschiedenen Ländern ?
Grocott : Unser Ensemble besteht seit Mitte der neunziger Jahre. Die meisten von uns treffen sich drei - bis viermal pro Jahr, um gemeinsam zu musizieren. Unser künstlerischer Leiter, der Trompeter Christopher Dicken aus Großbritannien, wählt die Stücke aus und studiert sie mit uns ein .Allerdings hat jeder von uns auch die Möglichkeit, sich mit seinen musikalischen Vorstellungen in die Arbeit einzubringen.

? Welchen Aufgaben gehen Sie und die anderen „Weltblech“ - Musiker nach, wenn sie nicht gemeinsam auftreten ?
Grocott : Die meisten von uns sind als Profi - Musiker in Orchestern tätig. Ich selbst habe mich nicht so eindeutig festgelegt. Manchmal trete ich mit der Nordwestdeutschen Philharmonie auf. Ich spiele auch in der OWL - Big Band, gebe Posaunenunterricht in Detmold und an der Musikschule Löhne oder ich trete in Jazz - Formationen auf - vor wenigen Tagen zum Beispiel im Kaiserkeller.

? Was hat Sie aus Kanada eigentlich nach Detmold geführt und was hält Sie hier fest ?
Grocott : Zum Ende meines Schulmusik - Studiums in Kanada entstand der Wunsch, mich im Fach Posaune zu spezialisieren. Damals gab mir mein Professor den Tipp, nach Detmold zu gehen. Meinen Abschluss habe ich später in Lübeck gemacht, doch dann kehrte ich nach Detmold zurück. Diese Stadt hat für meinen Geschmack eine Menge zu bieten - zum Beispiel unser „Weltblech“ - Konzert am kommenden Samstag.