Reiner "Semmel" Brothuhn & die "Hot Shots"

Exakt ein Vierteljahrhundert ist es her, dass sich in der Bonner Altstadt eine Hot Jazz Band formierte, die seitdem zu einer festen Größe im Bonner Musikleben geworden ist: "Semmels Hot Shots". Fidel wie eh und je gibt die Band im April ein großes Geburtstagskonzert im Brückenforum.

Ein kleiner Rückblick auf 25 Jahre Bandgeschichte von Dominique Müller- Grote.

Die Geschichte von "Semmels Hot Shots" beginnt jedoch vor weit mehr als 25 Jahren, nämlich an dem Tag, als ein gewisser Reiner Brothuhn als Siebenjähriger Mitglied bei den Pfadfindern wird. Dort bekommt man traditionell Spitznamen. Bei Reiner wurde aus dem ersten Teil des Nachnamens ein "Brötchen" und schließlich ein "Semmel": Reiner "Semmel" Brothuhn.
Die zweite Etappe auf dem Weg zu Bonns bekanntester Hot Jazz - Band ereignete sich, als der Musiklehrer dem 13- jährigen Semmel "mangelhaft" attestierte. Der Familienrat beschloss daraufhin, Semmel solle, um diese schulische Scharte auszuwetzen, Akkordeon lernen. "Und das war der totale Horror für mich!" Er marschierte schnurstracks zu einer ortsansässigen Blaskapelle in seiner westfälischen Heimat, wurde Mitglied und fortan am Flügelhorn ausgebildet.
Die dritte und entscheidende Etappe fand 1975 statt. Semmel war seit sechs Jahren in Bonn und hatte sich als Jazz-Musiker schon einen Namen gemacht. Er spielte bei den "Chicago Footwarmers" und einmal in der Woche mit Freunden auf Bonns Straßen. Mit Musikerkollegen spielte er außerdem ab und zu im damaligen "Bonbons" in der Altstadt Hot Jazz. Den Gästen gefiels, und der Wirt wollte sie häufiger engagieren. Um das auf einem Plakat zu promoten, musste ein Name her. Die "Hot Shots" waren geboren. Weil dem Wirt das aber zu langweilig erschien und Semmel außerdem bekannt wie ein bunter Hund war, machte er kurzerhand "Semmels Hot Shots" draus. Voilá, ein Bonner Kult war geboren.
Nun sollte man aber nicht meinen, die Geschichte der "Hot Shots" sei die von Semmel Brothuhn. Er selbst würde am lautesten dagegen protestieren. Dennoch ist er das Aushängeschild der Band, ist Frontman, Mutter der Kompanie, Manager, Mädchen für alles. Er selbst sagt es so: "Die Leute bezeichnen so einen wie mich als Bandleader, ich bezeichne mich lieber als Koordinator."
Daraus spricht nicht nur Bescheidenheit. Selbst wer sich nur kurz mit dem Trompeter unterhält weiß: Den Mann erfüllt nicht nur eine große Liebe zur Musik, sondern auch ein sehr großer Respekt vor Musikern, zumal vor denen der "Hot Shots". Alle an einen Tisch zu bringen, ist schon zum Zwecke eines Konzertes schwer genug, für ein Interview fast unmöglich. Schließlich ist Musik nicht ihr Beruf. Die Hot Shots sind eine (fast) reine Amateurband. Nur Reiner Brothuhn muss und will seine Semmeln mit Musik verdienen.
Aber selbst, wenn man sich mit ihm alleine über die "Hot Shots" unterhält, sind die Bandmitglieder immer präsent, nicht nur, weil Semmel Brothuhn, sie ständig erwähnt: "Wenn jetzt die anderen hier wären ..." und "Da hätte sicher jeder etwas anderes zu erzählen ..." und "Das ist aber bestimmt nicht Bandmeinung ..." So geht das die ganze Zeit.

Trotzdem will man ja was wissen. Zum Beispiel: Was waren die Höhepunkte in den letzten 25 Jahren. Semmel fällt, neben der 20- jährigen Dauerpräsenz auf dem Bundespresseball - auch beim ersten Berliner Ball 1999 haben sie gespielt -, sofort das Engagement in Geert Müller- Gerbes RTL - Talkshow "Bonnfetti" ein. Im Mai 1985, die Talkshow war noch in geheimer Planung, rief Müller - Gerbes bei Semmel an: "Habt ihr übernächsten Freitag schon was vor?" - "Nein." - "Gut, dann reserviert euch den Tag bitte. Und am besten auch die nächsten Freitage. Bis Ende des Jahres."

Aktuelle Besetzung
Reiner "Semmel" Brothuhn-Trompete      
Elmar Schaffmeister-Saxofon      
Eberhard Hertin-Piano      
Richard Hellenthal-Posaune      
Johannes Zink-Gitarre, Banjo      
Steve Roth-Kontrabass      
Michael "Meikel" Neusser-Schlagzeug      
Helm Renz-Klarinette, Saxofon      
Achim Fink-Posaune